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Home :: Freitagsgebet :: Archiv :: 16.05.2009 - Der Heilige Qur’an - Gültigkeit für alle Zeiten und Orte
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Redner: Ayatollah Dr. Reza Ramezani

Der Heilige Qur’an - Gültigkeit für alle Zeiten und Orte

 Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

ich rate mir selbst und Ihnen allen, die göttlichen Tugenden anzunehmen und sich in allem danach zu richten, die Ordnung des Herrn zu befolgen und das Verbotene zu vermeiden.

 

Einer der wichtigsten Aspekte des Heiligen Qur’an ist die Tatsache, dass er ein stets aktuelles Buch ist und für alle Zeiten und die gesamte Menschheit Gültigkeit besitzt. Der Heilige Qur’an ist eine Schrift, die die Gesellschaft gestaltet, und in einer Überlieferung wird er mit den Worten beschrieben:

„Der Qur’an ist lebendig und stirbt nicht.“[i]

 

Allein dieser Satz reicht schon aus, um entstandene Zweifel oder auch anderslautende Deutungen zu widerlegen. In einer anderen Überlieferung heißt es:

 

„Nehmt euch das Buch Gottes, denn das wiederholte Lesen erschöpft den Leser nicht.“[ii]

 

Dies verdeutlicht uns nicht nur, dass das Hören und Lesen des Heiligen Qur’an nicht müde macht, sondern dass man immer wieder das Gefühl hat, als höre und lese man ihn zum ersten Mal. Dieses Phänomen deutet darauf hin, dass der Qur’an im Grunde genommen ein Wegweiser für das Leben ist. Es wurde überliefert, dass Imam Sadeq (a.s.) über diese Besonderheit befragt wurde, und er die folgende Antwort gab:

 

„Wie steht es mit dem Qur’an, der durch Verbreitung und Studium nichts anderes erfährt als mehr Aufmerksamkeit? Er (a.s.) antwortete: ‚Der Qur’an ist kein Buch, das Gott, der Erhabene, für einen bestimmten Zeitabschnitt und einen bestimmten Ort herabgesandt hat, sondern der Qur’an leitet zu jeder Zeit und überall recht und ist aktuell für jedes Volk, bis zum Tag der Auferstehung.“[iii]

 

In einer anderen Überlieferung wird der Heilige Qur’an mit der Sonne verglichen:

Der Qur’an nimmt seinen Lauf, wie auch die Sonne ihren Lauf nimmt.“[iv]

Das bedeutet, dass ebenso wie die Sonne stets aktiv ist und kontinuierlich ihrer Laufbahn folgt, auch der Heilige Qur’an stets aktuell ist. Wenn z. B. ein Qur’anvers in Bezug auf eine bestimmte Person herabgesandt wurde und diese dann verstarb, verliert der Vers dadurch keineswegs seine Gültigkeit, denn jederzeit kann eine ähnliche Situation gegeben sein und der Vers Anwendung finden. Wir Muslime müssen wissen, dass wir die im Qur’an angesprochenen Menschen sind, seine Weisungen beherzigen und unser Leben danach gestalten sollen. In Vers 24 der Sure al-AnfÁl heißt es:

„O ihr, die ihr glaubt, hört auf Gott und den Gesandten, wenn er euch zu etwas aufruft, das euch Leben verleiht…“

 

Hierin ist ein klarer Aufruf an die Menschen enthalten, sich die Anweisungen und Weisheiten des Qur’an und des Gesandten Gottes (s.a.s.) zu Herzen nehmen und alles in die Tat umzusetzen, denn nur so ist die Realisierung eines menschenwürdigen Lebens möglich. Wir sollten wissen, dass uns der Qur’an in allen Lebenslagen anspricht, und deshalb sollten wir uns nach ihm richten und somit unser Leben mit Weisheit und Würde führen.

 

Es sind noch zwei weitere Beispiele, die wir in diesem Zusammenhang bedenken sollten, und zwar zuerst den letzten Verse der Sure al-¹umuþÁ, der lautet:

„Doch wenn sie eine Handelsware oder eine Zerstreuung sehen, dann brechen sie sogleich dazu auf und lassen Dich (im Gebet) stehen. Sprich: ‚Was bei Gott ist, das ist besser als Zerstreuung und Handelsware, und Gott ist der beste Versorger.“ (Sure al-¹umuþa, Vers 11).

 

In den Qur’ankommentaren können wir lesen, dass der Gesandte Gottes (s.a.s.) einmal die Ansprache des Freitagsgebets vortrug und ihm viele Leute zuhörten. Inmitten der Ansprache war plötzlich ein Ausruf zu hören, dass eine Karawane in Medina eingetroffen sei und viele Waren zum Verkauf anbiete. Aus Angst, es könnte ihnen eine der angebotenen Waren entgehen, wenn sie die Beendigung des Freitagsgebetes abwarten würden, standen viele der Anwesenden auf und verließen die Moschee, um ihre Einkäufe zu tätigen. Die historischen Berichte haben festgehalten, dass am Ende nur etwa zehn Leute verblieben waren. Da wurde dieser zuvor genannte Vers offenbart. Dieser Vers lehrt uns, dass ein frommer und nach Vervollkommnung strebender Mensch, der sich zwischen spirituellen und materiellen Werten entscheiden muss, nachdenken und den spirituellen Werten nicht den Rücken kehren sollte, um sich für das Weltliche zu entscheiden.

 

Hier müssen wir wissen, dass dieser Vers nicht allein jene Menschen angesprochen hat, die am Freitagsgebet mit dem Gesandten Gottes (s.a.s.) teilgenommen haben, sondern er ist vielmehr eine Rechtleitung für die Muslime zu jeder Zeit; das bedeutetet, sie sollen die religiösen und spirituellen Werte nicht vernachlässigen, um sich vergänglichen weltlichen Genüssen zu widmen, denn sich der eigenen Habgier und Neigungen zu ergeben, führen den Menschen vom rechten Weg und der Wahrheit ab.

 

Ein anderes Beispiel sind die ersten Verse der Sure al-Muminun, die das Gebet als Geheimnis der Glückseligkeit und Rettung der menschlichen Gemeinschaft hervorheben:

Wahrlich, erfolgreich sind die Gläubigen, die in ihren Gebeten voller Demut sind, und die sich von allem leeren Gerede fernhalten, und die die Almosenabgabe entrichten und ihre Scham hüten außer gegenüber ihren Gattinnen oder denen, die sie von Rechts wegen besitzen, denn dann sind sie nicht zu tadeln. Diejenigen aber, die darüber hinaus etwas begehren, sind Übertreter. Und diejenigen, die das ihnen anvertraute Gut und ihre Verpflichtung hüten, und die ihre Gebete einhalten, das sind die Erben, die das Paradies erben werden; ewig werden sie darin bleiben.“ (Sure al-Muminun, Verse 1-11).

Wenn wir diese Verse mit Aufmerksamkeit betrachten, sehen wir, dass sie den einzelnen Menschen und der Gesellschaft den Weg zur Rettung und Glückseligkeit zeigen. Sie zeigen aber auch die Probleme und Schwierigkeiten auf, die den Menschen Leid bringen und sie von einer glücklichen Gesellschaft fernhalten, damit sie vermieden werden können. Wenn in einer Gesellschaft das Gebet als Symbol für das Gedenken an Gott, den Erhabenen, oder das Spenden als Symbol für die Verantwortlichkeit gegenüber der Schöpfung Gottes, oder Lauterkeit und Vertrauenswürdigkeit nicht zu finden sind, dann breiten sich Unglück und Verfall in dieser Gesellschaft aus. Die Gültigkeit dieser Verse ist sicherlich nicht auf eine bestimmte Zeit oder eine bestimmte Gesellschaft beschränkt, sondern alle Menschen sollen zu allen Zeiten um ihrer eigenen und der gesellschaftlichen Glückseligkeit willen diesen Weg beschreiten.

 

Aus diesen Versen können wir nun zusammenfassend festhalten, dass der Heilige Qur’an ein Buch für das Leben ist, und dass wir ihn in all unseren Angelegenheiten als Wegweiser und Rechtleitung betrachten und nach ihm handeln sollen. Wir sollten niemals davon Abstand nehmen, und wir sollten uns auch nicht damit begnügen, ihn nur zu lesen und zu rezitieren, sondern die gelesenen Verse sollen uns zum Nachdenken inspirieren, denn darin können wir das umfassendste und schönste Programm für unser Leben finden.

 

Der Qur’an ist das Buch, das den Weg für die Menschheit erleuchtet und erhellt und sie aus der Unentschlossenheit und Unwissenheit rettet, wie in etlichen Überlieferungen betont wurde, wie in dem folgenden Ausspruch:

„Wenn euch die Schwierigkeiten wie die finstere Nacht einhüllen,

dann wendet euch an den Qur’an.“[v]

 

Diese Weisheit lehrt uns, dass der Heilige Qur’an den Menschen aus seinen Versuchungen und Verwirrungen rettet und dem Leben der Menschen Sinn und Motivation verleiht.

 

Wir hoffen und bitten Gott, den Herren des Segens und der Vergebung, dass Er uns in Seine Gnade aufnehmen möge, und dass wir uns niemals von Seinem heiligen Buch entfernen. Und der Friede sei mit euch und die Gnade Gottes und Seine Segnungen.

 

 


[i] TafsÍr al-Ayashi, Bd. 2, S. 203.

[ii] Nahju-l-Balagha, Ansprache 151.

[iii] Uyun al-akhbar, Bd. 3, S. 130.

[iv] Uyun al-akhbar, Bd. 3, S. 187.

[v] Wasail al-Shia, Bd. 6, S. 171. 


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