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Redner: Ayatollah Dr. Reza Ramazani

Weitere Gründe für die Ablehnung des Heiligen Qur’an

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
 
Nachdem in der Ansprache der vergangenen Woche mit Ignoranz und Unwissenheit, Schwäche und Unzulänglichkeit im Glauben und Konzentration auf die Begierden und Launen der eigenen Triebseele bereits drei Gründe für die Ablehnung des Heiligen Qur’an genannt wurden, werden nun weitere Ursachen klar aufzeigen, worin die Verweigerung und Ablehnung der Widersacher des Qur’an wurzelt.
 
4. Eitelkeit
Zu den Ursachen der Verweigerung des Qur’an und der göttlichen Anweisungen gehört auch die Eitelkeit. Dinge wie Eitelkeit, Renitenz und Egoismus werden in verschiedenen Qur’anversen erwähnt:
 
 „Doch zu jenen, die ungläubig waren (, wird gesprochen): ‚Sind euch Meine Zeichen nicht vorgetragen worden? Ihr aber wart hochmütig, und ihr wurdet ein sündiges Volk.’“[1]
 
 „Meine Zeichen wurden euch doch vorgetragen, ihr aber pflegtet auf euren Fersen umzukehren; hochmütig erwähntet ihr ihn (den Qur'an) und nachts habt ihr ihn gemieden.“[2]
 
Die Verweigerer waren dem Heiligen Qur’an und dem edlen Propheten (s.a.s.) gegenüber achtlos und eitel; sie fanden sich nachts zusammen und redeten Schlechtes vom Propheten, vom Qur’an und von den Gläubigen. Sie scheuten vor keiner falschen und unlogischen Maßnahme zurück, um den Heiligen Qur’an und den edlen Propheten (s.a.s.) zu bekämpfen. Ihre Aufsässigkeit führte dazu, dass sie niemals an die Wahrheit glaubten und auf ihrer Starrköpfigkeit und Eitelkeit beharrten. Sie hätten wohl nur dann geglaubt, wenn die Strafe der früheren Generationen sie ereilt oder sie die göttliche Strafe mit eigenen Augen gesehen hätten. Dieser Glaube hätte jedoch keinerlei Wert, wie wir im Heiligen Qur’an lesen:
 
 „Wahrlich, Wir haben in diesem Qur’an für die Menschen Gleichnisse aller Art erläutert, doch von allen Dingen ist der Mensch am streitsüchtigsten. Und nichts hinderte die Menschen daran, zu glauben, als die Rechtleitung zu ihnen kam, und ihren Herrn um Verzeihung zu bitten; (sie warteten) denn, bis das Beispiel der Früheren über sie käme oder die Strafe ihnen offen vor Augen gestellt würde.“[3]
5. Wirklichkeitsflucht
Sie fliehen manchmal, motiviert von ihrer Seele oder gar Triebseele, vor der Wahrheit und stellen sich den Tatsachen entgegen, statt sie zu akzeptieren. Die Wahrheit widerstrebt ihnen, und selbst nachdem sie die göttlichen Zeichen und Wunder gesehen haben, lehnen sie die Wahrheit bedenkenlos ab und rufen sogar andere dazu auf, diese Wahrheit zu bekämpfen und abzulehnen. Studiert man den Qur’an, insbesondere die Verse 89 bis 93 der Sure al-Isra’ (die nächtliche Reise) unter Berücksichtigung des Offenbarungsanlasses und der historischen Besonderheiten, kann man viel daraus lernen. Besonders auffallend ist dabei, dass ein Studium aller Aspekte des Ereignisses, insbesondere die Erörterungen darüber, welche Partei des Geschehnisses im Recht war, für alle menschlichen Gemeinschaften, insbesondere die muslimische, lehrreich, nützlich und sogar notwendig sein kann. Um dies zu erläutern, schauen wir uns einen Ausschnitt aus der Geschichte der Anfänge des Islam an.
 
Eine Gruppe von mekkanischen Polytheisten, zu der auch WalÍd ibn Muqayrah und AbÚ ¹ahl gehörten, versammelte sich vor der Kaaba und diskutierte den Aufruf des heiligen Propheten (s.a.s.). Sie kamen zu dem Entschluss, dass man jemanden zum Propheten Muhammad schicken sollte mit der Botschaft, dass die Anführer und andere hochgestellten Persönlichkeiten der Qureisch mit einem Treffen einverstanden wären. Der heilige Prophet ging mit der Hoffnung, ihre Herzen mit dem Glauben zu erleuchten, zu diesem Treffen, musste sich jedoch folgendes anhören: „O Muhammad! Wir haben Dich hierher bestellt um Dir ein Ultimatum zu stellen. Wir kennen niemanden, der seinem Stamm so sehr gequält hat wie Du. Unsere Götter hast Du beleidigt, unseren Glauben bemängelt und unsere Weisen albern genannt. Zwietracht hast Du in unsere Gemeinschaft gebracht. Was ist Dein Problem? Willst Du Geld, können wir Dich reich machen! Willst Du eine Position, können wir Dir einen hohen Posten geben! Bist Du krank, rufen wir die besten Ärzte, dass sie Dich behandeln!“
Der heilige Prophet sagte: „Nichts von alledem trifft zu. Der erhabene Herr hat mir das himmlische Buch offenbart und mich zu euch geschickt. Nehmt ihr es an, wird es euch in der Welt und im Jenseits zugute kommen, und verweigert ihr es, werde ich warten, bis Gott zwischen uns urteilt.“
Nachdem sie die entschlossenen Worte des heiligen Propheten (s.a.s.) gehört hatten, sagten sie: „Wenn Du so auf Deinem Brauch und Deinem Weg beharrst, so sag’ Deinem Gott, er soll diese Berge bewegen und Flüsse, wie die von Damaskus und Irak,durch dieses öde und trockene Land fließen lassen. Bitte ihn außerdem darum, unsere Vorfahren wieder auferstehen zu lassen, denn sicher wird QuÈay ibn Kalab, ein ehrlicher alter Mann, unter ihnen sein, und wir können sie fragen, ob das, was Du sagst, der Wahrheit entspricht oder nicht.“
Der heilige Prophet (s.a.s.) sagte verächtlich: „Mit diesen Dingen bin ich nicht beauftragt worden.“
Sie sagten: „Wenn Du das nicht tun willst, so bitte Deinen Gott wenigstens darum, einen Engel zu schicken, der Dich bestätigt und uns Gärten und Schätze und Paläste aus Gold schenkt.“
Der heilige Prophet (s.a.s.) sagte: „Auch dies ist nicht meine Mission. Ich habe einen Auftrag von Gott. Nehmt ihr an, ist es gut, und wenn nicht, wird Gott zwischen mir und euch urteilen.“
„So lasse Steine vom Himmel über uns fallen. Du glaubst doch, dass Dein Gott dazu jederzeit in der Lage ist?“
„Dies ist Gottes Angelegenheit. Er wird es tun, wenn Er es will.“
Da rief einer: „Trotz alledem würden wir nicht glauben! Wir würden glauben, wenn Du Gott und Seine Engel zu uns rufst.“
Als der Prophet diesen Unsinn hörte, stand er auf und verließ die Versammlung. Einige folgten ihm und sagten: „O Muhammad! Du hast keinen Vorschlag Deines Stammes akzeptiert, Du hast nicht getan, was sie wollten, und als sie Dich nach der Strafe fragten, die Du ihnen androhst, hast Du sie auch nicht beschwört. Bei Gott, werden wir Dir nicht glauben, bis Du eine Leiter aufstellst, in den Himmel kletterst und mit ein paar Engeln und einem Schreiben zurückkehrst, das Deine Wahrhaftigkeit bezeugt.“
AbÚ ¹ahl sagte darauf: „Lasst ihn, er kann nichts, außer unsere Götter und Vorfahren beleidigen. Ich habe versprochen, einen Stein zu nehmen und ihm auf den Schädel zu schlagen, wenn er sich vor seinem Gott niederwirft.“
Schweren Herzens und stark bedrückt von der Ignoranz, Starrköpfigkeit und Eitelkeit dieses Stammes ging der heilige Prophet von ihnen. Da wurden die folgenden Verse offenbart:[4]
 
„Wir haben fürwahr den Menschen in diesem Qur’an Gleichnisse aller Art auf mannigfache Weise vorgelegt, allein die meisten Menschen weisen alles zurück, nur nicht den Unglauben. Und sie sprechen: ‚Wir werden Dir nicht glauben, bis Du uns einen Quell aus der Erde hervorbrechen lässt; oder (bis) Du einen Garten von Dattelpalmen und Trauben hast und mitten darin Ströme hervorsprudeln lässt im Überfluss; oder (bis) Du den Himmel über uns in Stücke einstürzen lässt, wie Du es behauptest, oder Gott und die Engel vor unser Angesicht bringst; oder (bis) Du ein Haus von Gold besitzt oder aufsteigst zum Himmel; und wir werden nicht an Deinen Aufstieg glauben, bis Du uns ein Buch herabsendest, das wir lesen können.’ Sprich: ‚Lobpreis meinem Herrn! Bin ich denn etwas anderes als ein Mensch, ein Gesandter?’“[5]
Und der Friede und die Gnade Gottes und Seine Segnungen seien mit euch.


Fußnoten:
[1] Sure al-Jathiya, Vers 31.
[2] Sure al-Mu`minun, Verse 66-67.
[3] Sure al-Kahf, Verse 54-55.
[4] Majmau-l-bayan, Bd. 5-6, S. 678.
[5] Sure al-Isra, Verse 89-93.

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